Vereinsgeschichte in Endersbach


Chronik des Sportvereins Endersbach seit 1908

VfL Endersbach

(Mit Auszügen aus der Festschrift zum 100-jährigen Vereinsjubiläum)

1908  Der Verein für Leibesübungen wurde im Jahre 1908 gegründet. Am 8. März 1908 versammelte sich auf Einladung des TV Waiblingen im Gasthaus ‚Zum Lamm’ zwanzig junger Leute, um auch hier in Endersbach einen Sportverein zu gründen,
         den Turnverein Endersbach.

1910  Nur zwei Jahre später, im Jahr 1910, sind es die „starken Männer“ des Ortes – bei den ersten Treffen acht an der Zahl – die den Athletenbund gründen, der dann 1927 zum Sportverein Endersbach umbenannt wird.

1913  Den zahlreicher werdenden Turnern reicht der Wirtshausgarten hinter dem Lamm fürs sportliche Treiben bald nicht mehr aus. 1913, in dem Jahr, in dem die Endersbacher Turner beim Landesturnfest in Göppingen erstmals einen ersten Preis erringen, kauft Vorstand Carl Graze im Namen des Vereins am Ortsrand das Gelände „Am Wiesengärtle“ an der damaligen neuen Strümpfelbacher Straße. Dort soll der Turnschuppen entstehen.

1919  Von 118 Mitgliedern bei Kriegsanfang sinkt die Zahl der Endersbacher Turner auf 86 im Frühjahr des Jahres 1919. Angesichts massiver wirtschaftlicher Nöte führen die drei örtlichen Vereine (Turner, Athleten und Albverein) schon damals auf Funktionärsebene Gespräche über eine mögliche Fusion. In den Mitgliederversammlungen werden die vereinigungsbereiten Ausschüsse der Vereine allerdings zurückgepfiffen.

1923  Die Turner träumen trotz allem weiter von ihrer eigenen Halle. Ungeachtet diverser Inflationsmillionen Grundschuld und Zinslast als Folge des Turnplatzkaufs, heißt es anfangs der 20er-Jahre in einem Protokoll: „Auf Antrag der aktiven Turnerschaft soll dem Projekt der Erstellung einer Übungshalle näher getreten werden.“ Das hat nicht nur sportliche Gründe. Auch die kulturellen Aktivitäten des Vereins – unter anderem Familienabende mit Turndemonstrationen und bis zu fünf verschiedenen Theaterstücken, oder die regelmäßig veranstalteten Weihnachtsfeiern haben Dimensionen erreicht, die in den Sälen der örtlichen Wirtshäuser kaum mehr unterzubringen sind. Immerhin bekommt der Verein nach 15 Jahren eine eigene Fahne. Eine würdige Fahnenweihe findet im Jahr 1923 statt.

 

 

1926  Auch sportlich wird das Vereinsleben in Endersbach vielfältiger. 1926 entsteht die Skizunft und im selben Jahr gründen 13 junge Damen, trotz heftiger Vorbehalte im Zusammenhang mit dem damaligen Schicklichkeitsdenken, innerhalb des TV Endersbach die Turnerinnenabteilung. Selbst die Turnbekleidung – eine Art blauer Knickerbocker, kniebedeckend selbstverständlich – versetzt damals die Sittenwächter (angeblich bis hin zur Diözese in Rottenburg) in helle Aufregung. Laut Vereinsannalen müssen die Turnerinnen bei Festzügen anstandshalber ein Röckchen drüber ziehen. Der Vereinskommentar gut 30 Jahre später in der Festschrift zum 50. Vereinsgeburtstag: „In der schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg vertrat man in unseren ländlichen Gegenden die altväterliche Auffassung, das junge Mädchen habe strenge Zurückhaltung zu wahren und sich auf den Wirkungskreis des elterlichen Haushalts zu beschränken.“

1928  Ende der 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts kommen aber mit weit weniger Widerstand, Faustball und Schlagball mit ins Angebot des Turnvereins.
Hermann Hekeler siegt beim Deutschen Turnfest in Köln.

    

1930  Im Oktober 1930 beschließt der TV Endersbach, sich um das Gauturnfest 1931 zu bewerben. Kein einfaches Vorhaben, denn damals pflegen nicht nur rund 1000 Turnerinnen und Turner zu dieser Veranstaltung anzureisen, ein großer Teil der Gäste musste auch über Nacht untergebracht werden.

1931  Gauturnfest in Endersbach!     

   

Rund 1600 Gäste bewirtet der Verein dann im Jahr 1931 im Festzelt im Gewann Vogtswiesen und stellt etwa 700 private Übernachtungsplätze zur Verfügung. Gutteils die eigenen Schlafstätten, wie Ehrenoberturnwart Ernst Schwegler und seine Turnerkameraden später der Lokalzeitung berichten: „Mir hen em Hei g’schlofa, on dia Betta hemmer de Gäschd g’lau.“ Das erfolgreiche Gauturnfest spült mit rund 1500 Reichsmark auch eine erkleckliche Summe in die Kasse des Vereins. Anschließend sind die finanziellen Voraussetzungen für das lang gehegte und just zu jenem Zeitpunkt gestartete Projekt des Endersbacher Hallenbaus endgültig gegeben. Die Bausparvertragssumme kann herabgesetzt werden. Und die Unterstützung der am Hallenbau interessierten Gemeinde hilft, die bislang verbliebene "Geldlücke" zu schließen - zusammen mit dem forcierten Verkauf der seit einiger Zeit jeweils für fünf Reichsmark an private Hallensponsoren ausgegebenen so genannten Hallenbausteine.

1932  Bis im Herbst 1932 der Rohbau steht ist allerdings auch noch einiges an handwerklichen Eigenleistungen der Turner fällig. Einzelne Turner haben bis zu 1000 unbezahlte Arbeitsstunden in den Hallenbau investiert, erzählt Ernst Schwegler in seinem Rückblick auf jene arbeitsintensive Vereinszeit.

1933  Im Frühjahr 1933 wird die Endersbacher Turnhalle mit einem Festwochenende im April eingeweiht. Die reinen Baukosten belaufen sich – bei umfangreichen Eigenleistungen der Mitglieder, versteht sich – auf etwa 20.000 Reichsmark. Der Verein nimmt bei der Oberamtskasse dafür ein Darlehen von 9000 Reichsmark auf, für das die Gemeinde bürgt. Für das Darlehen wird das 20 Ar große Grundstück im Wiesengarten mit einer Hypothek belastet. Aus dem Jahr 1932 stammt außerdem eine Übereinkunft zwischen Verein und Kommune, dass auch die Endersbacher Schule für einen jährlichen Obolus von 300 Reichsmark die neue vereinseigene Sportstätte nutzen darf.

Die einst im Rösslestall aktiven Schwerathleten des Endersbacher Sportvereins sind zu diesem Zeitpunkt schon längst stolze Nutzer ihrer, fünf Jahre zuvor gebauten, eigenen kleinen Übungshalle an der heutigen Schorndorfer Straße.
Im Sommer 1933 entsteht innerhalb des Vereins die erste Handballmannschaft um „eine Zersplitterung des Bereichs Leibesübungen in kleinere, kaum lebensfähige Gruppen“ zu vermeiden. Die ersten Endersbacher Handballer haben allerdings im Turnverein laut zugehörigem TV-Sitzungsbericht zunächst noch eine ganz besondere sportliche Pflicht: „Jeder Spieler hat neben dem Spiel in der Woche eine Turnstunde zu besuchen.“

1937  Der wachsende Druck nationalsozialistischer Politik auf Gesellschaft und Vereinsleben führt dann 1937 zur Fusion der Endersbacher Sportvereine. Entsprechend der Verfügung, dass in Ortschaften mit weniger als 20.000 Einwohnern nur ein Sportverein existieren darf, schließen sich am 3. Juli 1937 nach einer gemeinsamen, außerordentlichen Hauptversammlung – Turnverein, Sportverein und Skizunft - zum Verein für Leibesübungen (VfL Endersbach e.V.) zusammen.  

1938  Die kleine Trainingshalle des einstigen Sportvereins an der heutigen Schorndorfer Straße wird 1938 an die Gemeinde Endersbach verkauft. Der erhalten gebliebene Türstein jener einstigen Trainingsstätte der Schwerathleten, mit der Gründungsjahreszahl des Athletenbundes anno 1910, ist neben Einträgen in den alten Ortsakten und einer Einladung zur Turnerweihnachtsfeier vom 26. Dezember 1909, das älteste noch erhaltene Überbleibsel aus der Endersbacher Vereinsgeschichte.

Die starken Männer aus Endersbach werden Meister beim Tauziehen in Breslau.

1939  Ende der 30er-Jahre feiern die Endersbacher Tauzieher die größten sportlichen Erfolge der gesamten VfL-Vereinsgeschichte. Nach vielen Meistertiteln bei Kreis-, Gau- und Württembergischen Meisterschaften triumphieren sie 1938 und 1939 sogar auf nationaler Ebene, z.B. 1939 bei der zweiten Deutschen Meisterschaft der Tauzieher in Nürnberg . Den ersten württembergischen Titel erringen sie zunächst laut einer von Karl Walter und Hermann Klein Senior aufgestellten Athletenbundchronik bereits im Jahr 1928 mit der Mittelgewichtsmannschaft – „und die Siegesserie riss nicht ab“. 1938 holen sie sich beim deutschen Turnfest in Breslau (Wroclaw) – noch vor den  Tauziehern aus Wien – den Wanderpreis in allen Klassen. Ein Jahr später folgt in Nürnberg eine weitere deutsche Meisterschaft für die starken Männer des Vereins.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs endet dann der Sport- und Spielbetrieb weitgehend. Sogar einen Teil der in den vergangenen Jahren errungenen Pokale müssen die Sportler zum einschmelzen hergeben. Laut späterem mündlichen Bericht des damaligen Vereinsvorsitzen Ernst Schwegler erfolgte dies nach einem entsprechenden Aufruf des NS-Propagandachefs Göbbels in diesen „kriegslüsternen Zeiten“.

1943  „Der Turnbetrieb der Männer ruht infolge der Wehrdienstleistung fast sämtlicher Turnkameraden“, steht im Versammlungsbericht des Sportvereins zum rein sportlichen Stand der Dinge am 20. März 1943. "Vorstand und Ausschuss", so lautet später die offizielle Sprachregelung für die sehr schwierigen Sportlerzeiten, "seien bemüht, die laufenden Vereinsgeschäfte ordnungsgemäß abzuwickeln“.
Die Turnhalle war zeitweise für Kriegszwecke konfisziert.

Im Januar 1945 hält laut einem in der VfL-Festschrift 1958 zitierten Vereinsprotokoll der „Vereinsführer Spieß“ (der allerdings seit 1937 nicht mehr Vereinsvorsitzender ist) noch eine Ausschusssitzung ab. Er lässt der Gefallenen gedenken, welche von den Anwesenden durch Erheben von den Sitzplätzen geehrt werden. --- Manche schönen Stunden ziehen am geistigen Auge vorbei. 48 Endersbacher VfL-Vereinsmitglieder bezahlen den deutschnationalen Wahn mit ihrem Leben. (1940 bis 1945) Zumindest die Bierverträge mit der Metzinger Brauerei Bräuchle werden andererseits wie üblich abgerechnet und zeugen zumindest bei der Hallenbewirtschaftung von den – in gewissem Rahmen – weiter laufenden Vereinsaktivitäten anfangs der 40er-Jahre. Die Beziehungen zur Metzinger Brauerei sind in den ersten Turnhallenjahren über verwandtschaftliche Beziehungen der Endersbacher Unternehmerfamilie Birkel zustande gekommen.  

1945 / 1946  „Im Auftrag der Militärregierung wird ihnen mitgeteilt, dass sie die vorläufige Genehmigung zur Durchführung ihrer Turnstunden haben“.
So lautet am 20. März 1946 die Mitteilung seitens der amerikanischen Übergangsregierung, mit der in Endersbach knapp ein Jahr nach Kriegsende wieder die ersten Aktivitäten im Vereinssport möglich sind. 186 männliche und 65 weibliche Mitglieder zählt der VfL bei der Vereinsversammlung zur Wiedergründung des VfL im Jahr 1946.
Der Ballspielplatz ist vorübergehend verloren. Angesichts der aktuellen Nachkriegsnöte wird dort Gemüse und Salat angebaut. Erst 1949 wird das Gelände zwischen den Pappeln endgültig zum Sportplatz.

1947 / 1949  Die Ballspiele haben nach 1945 Hochkonjunktur. Und zusätzlich zur 1947 entstandenen eigenen Handballabteilung gründet der Verein 1949 eine Fußballabteilung. Im gleichen Jahr lehnt der Ausschuss eine Tischtennisabteilung noch ab.

1953  Einigkeit besteht aber darin, dass die von Schulen und Gemeinde mitbenutzte Turnhalle dringend erweitert werden muss. Und so nimmt der Verein bereits 1953 sein nächstens Bauprojekt in Angriff. Mit viel Eigenleistung wird die Turnhalle um einige Meter verlängert. Finanziert wird der Ausbau vor allem über Spenden.
In diesem Jahr fahren unsere Turner nach Hamburg zum Turnfest.

 

1956 / 1958  In den Jahre von 1956 bis 1958 folgt die Zeit der Anpassung des Vereinsangebots an stark veränderte Bedürfnisse, denn nacheinander entstehen 1956 eine Tischtennisabteilung, die Sparte des Versehrtensports 1957 und 1958 die VfL-Schützenabteilung. Zugleich wächst die Zahl der VfL-Mitglieder rasant an. Dass die Veränderungen in der Vereinsstruktur und der sportlichen Ausrichtung nicht ohne vereinsinterne Probleme bewältigt werden, lässt sich wieder der Festschrift zum 50. Vereinsgeburtstag deutlich entnehmen: „Die Zeiten des familiengebundenen Vereins sind vorbei. Der allseitig gebildete Mensch muss dem Spezialisten weichen; wir mögen diese Entwicklung bedauern – sie ist in allen menschlichen Tätigkeitsbereichen aufzuzeigen – auch das Gebiet der Leibesübungen ist ihr schon weithin ergeben. Die Perfektion der Technik wird verherrlicht; das Menschliche in Bewegung und Spiel tritt immer mehr zurück.“

Zugunsten des Hallenausbaus muss anfangs der 50er-Jahre ein anderes, dringliches Anliegen zunächst zurückstehen. Der VfL hat keine Fahne mehr. Die ursprüngliche Vereinsfahne aus dem Jahr 1923 ist bei Kriegsende verschwunden. Es wird vermutet dass sie, wie manches historisches Vereinsutensil, das in der Turnhalle aufbewahrt worden ist, im Gepäck von Angehörigen der alliierten Truppen als Kriegssouvenir über den Atlantik verschwunden sein könnte.

1956 ist dann endlich Fahnenweihe für’s neue Vereinstuch des VfL Endersbach.

                        

1958    -- 50 Jahre VfL und der Hartplatzbau --

Zwei Jahre nach der Fahnenweihe wird 1958 in Endersbach des 50. Vereinsjubiläum gefeiert. Mit Festtagen von Samstag, 14. Juni, bis Dienstag, 17. Juni, einem Jubiläumsabend samt „gestalteter Vereinsgeschichte“, Gau-Jugendturntag, Bundesjugendspielen und „Tag der Rasenspiele“.
Etwas Wehmut klingt allerdings auch durch. Mit der Schwerathletikabteilung zeigt eines der ursprünglichen Standbeine des Vereins starke Auflösungserscheinungen – es fehlt an Aktiven und an interessiertem Nachwuchs. "Der Verein habe zwar die Voraussetzungen für die Neugründung der Abteilung geschaffen", heißt es im damals aktuellsten Teil der Vereinsgeschichte, "das sei aber wertlos, wenn sich nicht Männer aus guter alter Schule bereit finden, das Erbe einer glanzvollen Zeit an eine begeisterungsfähige Jugend weiterzugeben“.

 

1964  In den Jahren nach dem Jubiläum entsteht bei der Turnhalle der 1964 fertig gestellte Hartplatz samt Flutlichtanlage. Die damit deutlich verbesserten Übungsmöglichkeiten für den Verein feiert der VfL in jenem Jahr mit einem Gaukindertreffen, bei dem 750 Kinder mit von der Partie sind.

1966  Im Sommer 1966 werden zum ersten Mal die Zelte für’s Zeltlager des VfL Endersbach auf dem Edelmannshof zwischen Rudersberg und Welzheim aufgeschlagen. Das Zeltlager mit seinen zeitweise mehr als 100 Teilnehmern gehört heute noch als fester Bestandteil zum jährlichen VfL-Jugendprogramm.

1967  Und noch eine Sportart wird dem Verein als eigene Abteilung angegliedert: 1967 gründet sich der Tennisclub, er ist allerdings nur zwölf Jahre im Verein organisiert und macht sich 1979 als TC Endersbach selbständig. Auch die Schützen verlassen den Verein und tun sich im Jahr 1974 mit ihren Strümpfelbacher Sportkameraden zu einem gemeinsamen Schützenverein zusammen. Dr. Hellmuth Hahn ist im Jahr 1967 die treibende Kraft, als innerhalb des VfL Endersbach eine Versehrtensportguppe gegründet wird. Hintergrund ist das Interesse in verschiedenen VDK-Ortsgruppen im Kreis, einen sportlichen Übungsbetrieb für interessierte Versehrte – damals vor allem Kriegsversehrte – zusammenzubringen. Der Bericht aus dem Anfangsjahr des Endersbacher Versehrtensports: „So fanden sich bald über 40 versehrte Kameraden von Beutelsbach, Endersbach, Beinstein, Waiblingen, Hegnach und Rommelshausen bereit, regelmäßig ab November 1957 mit dem Bus zum Schwimmen nach Cannstatt zu fahren.“ Vorsitzender der Abteilung ist Hellmuth Hahn, als Übungsleiter steht ihm Hermann Klein zur Seite, der damals Oberturnwart sowie technischer Leiter des VfL ist – und dazu noch Abteilungsleiter der Endersbacher Skizunft. 1964 nehmen die Versehrtensportler auch die Leichtathletik mit in ihr Programm auf, ab 1966 gibt es dafür einen eigenen Übungsabend in der Hegnacher Sporthalle.

Mit dem Bau des Endersbacher Mineralhallenfreibades im Jahr 1973 entfallen die weiten Fahrten zum Schwimmen. Montags war seitdem ein Übungstermin für die Versehrtensportgruppe reserviert – zumindest dann, wenn das Cabrio nicht gerade geschlossen war.
Vor einigen Jahren hat sich allerdings die einstige VfL-Versehrtensportgruppe als eigener Verein selbständig gemacht – was natürlich am Kontakt und den engen persönlichen Beziehungen der Versehrtensportler zum Endersbacher Sportverein nichts geändert hat.

 

1973  Ein lang gehegter Wunsch der Endersbacher geht 1973 in Erfüllung. Das später mit dem werbeträchtigen Namen „Cabrio“ bedachte Mineralhallenfreibad mit seinem wegrollbaren Dach öffnet die Pforten. Und damit ergibt sich für den Verein – auch dank der spontanen Initiative des begeisterten Schwimmers Jörg-Dieter Doleschal – die Möglichkeit, das sportliche Angebot um eine Schwimmabteilung zu erweitern, die sofort massenhaft Zulauf und in den folgenden Jahren auch beachtliche schwimmsportliche Erfolge hat.
Doch nach einigen Jahren belasten hohe Reparaturkosten und Ausfälle das öffentliche Budget. Das endgültige AUS folgt dann 2009. Das Cabrio-Ende wird wegen unüberschaubaren Reparatur- und Sanierungskosten unter großem Bedauern der Schwimmer und der Bevölkerung eingeläutet. Der Wunsch nach einem Sportbad besteht bis heute (2015).

 

1974  Auch in den anderen Abteilungen steigt in den folgenden Jahren die Mitgliederzahl kräftig, was insgesamt veränderte Anforderungen an den Verein nach sich zieht.
Die Nachfrage geht stark in Richtung Breitensport und der VfL reagiert mit entsprechenden Angeboten. Das später auf mehrere Termine erweiterte Mutter-Kind- Turnen und die Seniorengymnastik werden ins Programm aufgenommen. Ein Lauftreff wird gegründet.
In den Zeiten, als aus den fünf Wengerterdörfern gerade die Gesamtkommune Weinstadt entsteht, ist dies quasi ein Vorgriff auf die später vereinsübergreifend gegründete Leichtathletikgemeinschaft (LG) Weinstadt, die allerdings erst Mitte der 80er-Jahre als eigenständige Abteilung im VfL verankert wird.

 

1975/1976  Das Gauturnfest für Kinder findet unter großer Beteiligung in Endersbach statt. Mit diesen Festen sollen weitere Jugendliche für turnerische Aktivitäten begeistert und gewonnen werden.

1978  Es gibt weitere verwaltungstechnische Notwendigkeiten für einen immer größer werdenden Verein: Seit Ende der 70er-Jahre ist die Mitgliederverwaltung auf EDV umgestellt. Und für die sportlichen Aktivitäten reicht die gute alte Turnhalle samt Hartplatz irgendwann nicht mehr aus. Der VfL muss im Trainingsbetrieb immer mehr auch in andere, inzwischen in Weinstadt entstandene, städtische Hallen ausweichen, in diejenigen am Bildungszentrum in Benzach zum Beispiel.

1979  Die Tennisabteilung macht sich als TC Endersbach selbständig. 

1981  Das Gauturnfest findet mit mehr als 1000 Teilnehmern statt. Das führte dann 1982 zur Gründung einer eigenständigen Turnabteilung im VfL.

 

1983  Für einen Sportverein, der alle Bevölkerungsschichten anspricht, wirbt der damalige VfL-Vorsitzende Manfred Hoff in seinem Grußwort zum
75. Vereinsgeburtstag im Jahr 1983. Das fünftägige Festprogramm Ende Mai 1983 startet schon donnerstags mit einer Jugenddisco. Ein Höhepunkt ist das Fußballspiel der Traditionsmannschaften des VfL Endersbach und des VfB Stuttgart. Und natürlich ist während der Jubiläumstage ständig Festbetrieb – mit Jubiläumsakt, Musik, Vorführungen im Festzelt und mit sportlichen Darbietungen auf dem Sportplatz. „Wenn ich das gewusst hätte, hätt’ ich vielleicht nein gesagt“, sagte später Sportkamerad Hoff beim Rückblick auf die Zeit, als er im Herbst 1982, etwa neun Monate vor dem Jubiläum die Führung des Vereins übernimmt – ohne zu wissen, was da in Kürze auf ihn zukommt. Es ist vereins- und stadthistorisch die Zeit der Planungen für einen Kunstrasenplatz und eine zusätzliche große Sporthalle. 

Zugleich wird 1983 auch die Turnhalle des VfL Endersbach auf dem Vereinsgelände an der Strümpfelbacher Straße stolze 50 Jahre alt. Weil diese trotz mehrfacher Ausbau- und Sanierungsaktionen so langsam in die Jahre kommt, ist die Zukunft der Vereinssportstätte, die Frage nach Grundsanierung, nach einem Ausbau oder gar nach komplettem Neubau beim Jubiläum auch ein wichtiges Thema. Denn schließlich zieren im Untergeschoss inzwischen massenhaft Stützen die einstige Schießbahn, um die Standfestigkeit des Hallenbodens einigermaßen bei größeren Veranstaltungen zu garantieren. Auch sonst entspricht der Bau aus den frühen 30er-Jahren sportlich, sanitär- und bewirtschaftungstechnisch einfach nicht mehr den modernen Anforderungen für die Vereinsaktivitäten und sonstigen Veranstaltungen.
Eines allerdings ist klar: Einen erneuten Hallenbau in Eigenregie kann und will der Verein diesmal nicht stemmen. Was den VfL aber in eine echte wirtschaftliche Bredouille bringen könnte: Der Weinstädter Gemeinderat stimmt mit einer Stimme Mehrheit dem Bau der heutigen Schulturnhalle bei der Endersbacher Grundschule zu. Womit der Großteil des bislang in der alten Jahnhalle angesiedelten Schulsportbetriebs bald dort stattfinden kann und der Verein nicht nur mit einer maroden Halle dasteht, sondern auch noch ohne seinen seitherigen Hauptmieter der Jahnhalle. Es droht ein wirtschaftliches Debakel. Die Endersbacher Hallenfrage wird innerhalb des Vereins aus Sorge um die sportliche Identität sehr kontrovers diskutiert. Der stark an einer repräsentativen städtischen Veranstaltungsstätte interessierte damalige Weinstädter Oberbürgermeister Jürgen Hofer hat bezüglich eines auch kulturell nutzbaren Neubaus eigene Visionen und verspricht in seinem Grußwort zum Vereinsjubiläum 1983 kommunale Solidarität in der Frage der Hallenzukunft: „Ich bin überzeugt, dass nun in diesem Jahr die erwartete Klärung eintritt, die sicherlich auch die unerlässliche Zustimmung des VfL Endersbach finden wird.“

 

1985  Gut ein Jahr dauert es dann trotzdem noch, bis die Einigung zwischen der Stadt Weinstadt und dem VfL Endersbach unter Dach und Fach ist. Bei der Hauptversammlung am 27. Februar 1985 stimmt die Mehrheit der anwesenden Vereinsmitglieder zu, die alte Turnhalle samt Grundstück im Erbbaurecht an die Stadt abzugeben. Im Rahmen dieser Vereinbarung sichert sich der Verein innerhalb des Neubaus im Gegenzug ein eigenes Domizil samt Geschäftsstelle, Versammlungsraum, Küche und Gymnastiksaal und der Verein bleibt zumindest in kleinerem Umfang auch in der neuen Jahnhalle sportlich auf dem ursprünglichen Endersbacher Turnerareal präsent. Im April 1985 wird beim extra für den Umbau ausgeschriebenen Architektenwettbewerb der siegreiche Entwurf für die neue multifunktionale Jahnhalle gekürt. Für den Mittelbau des mehrgiebligen Hallengebäudes soll dabei die Konstruktion der alten Endersbacher Turnhalle erhalten bleiben.

 

1986  Teilnahme am Turnfest in Berlin. Die erhaltene Turnfesteiche wird dann später bei der Jahnhalle gepflanzt.

1987  Gründung der Leichtathletikabteilung im VfL; diese wird von 1988 an dann ein Teil der LG Weinstadt. Hier wird bereits vereinsübergreifend Leichtathletik betrieben.

1989  Die neue Jahnhalle der Stadt mit VfL-Vereinsgeschäftsstelle, Vereinsraum, Küche und Gymnastiksaal steht. Im Jahr 1989 ist die neue Jahnhalle bezugsfertig. Die Gesamtkosten für die Stadt Weinstadt betragen rund fünf Millionen Mark. Die Jahnhalle ist jetzt allerdings keine reine Sporthalle mehr. Weinstadt hat ein neues Kulturveranstaltungszentrum, das unter anderem auch für sportliche Zwecke nutzbar ist. Im großen Saal mit seinen 310 Quadratmetern Fläche finden bis zu 400 Menschen Platz. Was repräsentative Zwecke angeht, ist dies ein unbestreitbarer Zugewinn für die Kommune, aus rein sportlicher Sicht bleiben zumindest innerhalb des VfL gewisse Zweifel. Auch wenn sich der Verein mit dem eigenem Domizil im Hallenkomplex und langfristiger Erbpachtvereinbarung mit der Stadt wirtschaftlich recht solide für die Zukunft absichert. Mit Mühe setzen die an der Hallentradition hängenden VfL-Turner immerhin durch, dass bei Bedarf auch in der neue Jahnhalle ein Hochreck aufgebaut werden kann. Ein zusätzlicher Vorteil für das Angebot im Verein liegt in anderen Bereichen: In der sportlich nur begrenzt genutzten Kulturhalle werden Dinge wie Mutter-Kind-Turnen oder das nach und nach wachsende Angebot im Gesundheitssport in deutlich größerem Umfang möglich. Zugleich ist die Schulturnhalle der Puffer, der den Abriss und den Neubau jener Jahnhalle erst möglich machte, die jahrzehntelang die einzige Sporthalle für ganz Endersbach gewesen ist.

                

 

1990  Im Verein haben sich inzwischen die Fußballer im FV später SC Weinstadt und die Tennisfreunde im nebenan beheimateten TCE selbständig gemacht. Mit der Fußballabteilung und der Versehrtensportgruppe machten sich bisherige Abteilungen selbständig, wobei die engen persönlichen Verbindungen natürlich erhalten bleiben. Eine der traditionellen Abteilungen des VfL Endersbach war von 1949 an für lange Jahre die Fußballabteilung. Gegründet wird sie in jenen Jahren, als die Mannschaftsspiele auf grünem Rasen nach dem Zweiten Weltkrieg ganz groß in Mode kommen. Der Ball, so heißt es 34 Jahre später in der VfL-Chronik aus dem Jahr 1983, sei „noch genauso rund, wie vor hundert Jahren“. Der Stopper nenne sich allerdings inzwischen Libero und – das wäre im Jahr 2015 zu ergänzen – der gute alte Stopper ist heute angesichts der modernen Viererkette komplett Vergangenheit. Genauso wie die vereinsorganisatorisch eingegliederte Abteilung Fußball im VfL Endersbach. Diese hat sich nämlich 1990 - der besseren mannschaftlichen Perspektiven wegen - zusammen mit den Fußballern aus Großheppach und Beutelsbach als FV Weinstadt selbständig gemacht. Wechselhaft sei’s gewesen, das sportliche Streben nach größeren Meriten, heißt es bereits in den Vereinsannalen zu den frühen Endersbacher Kickerjahren in den 50ern. Gleiches könnte sich auch über aktuellere Jahre sagen lassen, in denen der Nachfolgeverein des FV, der SC Weinstadt wieder ohne die Großheppacher Fußballer klarkommen musste. Die Endersbacher Fußballer jedenfalls erleben laut den VfL-Vereinsaufzeichnungen einst in den 60er-Jahren ihre besten Zeiten, als die erste Mannschaft in die damalige A-Klasse aufsteigt – vergleichbar heute mit der Bezirksklasse. Aber auch als dann Ende der 70er-Jahre der Abstieg in die Kreisklasse B ansteht, verlieren die Endersbacher Kicker ihren fußballerischen Humor nicht: „Sollte das eine oder andere Ziel nicht erreicht werden, so lassen wir uns nicht verdrießen – getreu dem Motto: „Die Besten waren wir nicht, aber die Lustigsten“, schreiben sie dann im Festheft zum VfL-Jubiläum 1983.  

 Neu dagegen ist die Leichtathletikgemeinschaft (LG) Weinstadt seit Ende der 80er- Jahre, die zusammen mit den anderen Weinstädter Sportvereinen ins Leben gerufen wurde und als eigenständige Leichtathletikabteilung auch im VfL verankerte ist. In der 1987 / 1988 gegründeten Leichtathletik Gemeinschaft - kurz LG - schlossen sich damals schon die Leichtathleten aus Schnait, Beutelsbach und Endersbach zusammen. Später folgten auch Strümpfelbach und Großheppach. Die LG ist somit die Keimzelle der dann erst 2014 gegründeten Sportgemeinschaft Weinstadt.

1991  Nicht nur Schüler und Vereine profitierten vom Weinstädter Stadion beim Schulzentrum, welches 1991 eingeweiht wurde. Hier hatten die Leichtathleten endlich ihr Refugium gefunden.


1992
  Was die sportlichen Trainingsmöglichkeiten anging, so stellt sich anfangs der 90er-Jahre schnell heraus, dass der Umbau der Jahnhalle in eine sportlich nur bedingt verfügbare Veranstaltungshalle die Hallenproblematik für die Weinstädter Sportvereine keineswegs beseitigte, trotz der zusätzlichen verfügbaren Grundschulturnhalle. Zumal sich in den Folgejahren die Versprechungen der Stadt Weinstadt, in absehbarer Zeit eine zusätzliche Ballspielhalle zu bauen, angesichts der Ebbe im kommunalen Säckel als nicht einlösbar erweisen. Noch anfangs der 90er-Jahre scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die längst auf dem Papier entworfene Halle beim Stadion nutzbar sein wird. Die Pläne liegen bereit. Ob sie allerdings in zwei, drei Jahren bereits stehe, das lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, so wird in dieser Zeit Sportamtschef Hans Lautenschlager in der Presse zitiert. Aber, so seine zuversichtliche Aussage damals: „Noch in diesem Jahrtausend“. Er sollte nicht Recht behalten, denn auch 2015 wird noch immer auf diese Ballspielhalle gewartet. Jenes Jahrtausend ist seit einigen Jahren vorüber, bis heute liegen die Pläne für die aus gesamtweinstädter Vereinssicht dringend benötigte Ballspielhalle allerdings noch immer irgendwo in den städtischen Schubladen. Nicht zuletzt deshalb, weil in Gemeinderatsdebatten plötzlich unbezahlbare Visionen einer „repräsentativen“ Halle mit bis zu 1500 Zuschauerplätzen auftauchen. Die Ballspielhalle jedenfalls wird kommunalpolitisch angesichts der damit in die Höhe schießenden Kosten und der zeitgleichen Kassenflaute zugunsten anderer Dinge auf einen der hinteren Plätze der Prioritätsliste gemeinderätlicher Realisierungspläne verbannt. Ein Umstand, der bis heute für alle Weinstädter Vereine zu erheblichen Engpässen im alltäglichen Übungsbetrieb führt.  

Handball 1992: Ende der 80er-Jahre bestimmen knappe Trainingsmöglichkeiten und die wachsenden Probleme, in allen Jugendklassen komplette Mannschaften zusammen zu bekommen, nicht nur bei den Endersbacher Handballern die Situation. So gibt es im Jahr 1990 die ersten Gespräche mit dem TSV Großheppach und dem TSV Beutelsbach über die Bildung einer Weinstädter Spielgemeinschaft. Nachdem die Beutelsbacher Handballer kurz vor Realisierung der Handballspielgemeinschaft (HSG) wegen finanzieller Differenzen aus dem Projekt aussteigen, sind es 1992 die Großheppacher und die Endersbacher Handballsportler, die ihre Spieler in der HSG Weinstadt zusammenbringen. So kooperiert von Beginn der 90er-Jahre an der VfL Endersbach eng mit den Großheppacher Handballern und bilden die Handballspielgemeinschaft Weinstadt (HSG). Großheppach bringt zu dem Zeitpunkt den Vorteil einer Landesligamannschaft mit ein und Endersbach einiges an frischem Blut aus dem Jugendbereich. Zum Beispiel die legendäre Kärcher-Jugend, die Rolf Kärcher von der E- bis in die A-Jugend nicht nur zusammengehalten, sondern auch lange Jahre zu vielen Titeln und Turniererfolgen geführt hat. Sportlich folgt im Jahr 2000 der vorübergehende Aufstieg der ersten Mannschaft der HSG Weinstadt in die Verbandsliga. Im selben Jahr sind die Weinstädter zu Besuch in Hongkong beim Team Charry Hongkong. Ein Höhepunkt der nicht zuletzt auch durch den separat gegründeten HSG-Förderverein ermöglicht wird, der auch Freizeitaktivitäten und Auslandsreisen der verschiedenen HSG-Teams unterstützt.


In den Bereichen Gesundheitssport und dem Kursprogramm mit Wirbelsäulengymnastik, Yoga oder Sport nach Krebs weitet sich das Angebot innerhalb des Vereins über die sportartbezogenen Abteilungsgrenzen hinaus aus. Im Bereich Gesundheitssport gibt es bereits ab 1992 in Endersbach die Herzsportgruppe und ab 1993 die Übungsgruppe „Luftsprung“ für Kinder mit Asthma samt ambulanten Asthmaschulungen.  

 

1996  Der Mangel an Sportstätten stellt eine Situation dar, die von der zweiten Hälfte der 90er-Jahre an vor allem auch für den VfL sehr problematisch ist, weil für den Verein seit 1996 mit den Basketballern eine weitere Vereinsabteilung beachtliche sportliche Erfolge feiert. Angesichts des erfreulichen Zulaufs reklamieren die Basketballer aber auch für mehrere aktive Teams und viele Jugendmannschaften die nötigen Trainingskapazitäten in ausreichend großen Hallen.  

2000  Zum Millennium fand ein großes Sportfest statt an dem alle Weinstädter Vereine teilnahmen.

2002  Deutsche Seniorenmeisterschaften der Leichtathletik im Weinstädter Stadion. Das elegante Oval bietet ein würdiges Ambiente und ausgezeichnete Stimmung.  

2007  Der Bedarf an Gesundheits- und Rehabilitations-Sport wurde erkannt und um den Bereich Sport nach Schlaganfall erweitert.

 

2008  Der VfL Endersbach feiert 100-jähriges Bestehen

    

Hier einige Grußworte und Artikel der Festschrift für Interessiert:

Und jetzt die Sportbeiträge einzelner Abteilungen:

 


„Wohin geht die Reise im Vereinssport?“
– neben den Feiern nimmt sich der VfL Endersbach für das große Jubiläum 100 Jahre nach der Gründung des ersten Endersbacher Sportvereins ganz bewusst ein Symposion vor, bei dem über die Perspektiven der Sportvereine im 21. Jahrhundert diskutiert wird. Aus jenen 20 Sportbegeisterten im Jahre 1908, die im Lammgarten an der Strümpfelbacher Straße anfangs selbst im Regen unter freiem Himmel aktiv waren, oder manchmal zum Turnen ins Untergeschoss geflüchtet sind, ist schließlich ein ehrenamtlich organisierter Sportbetrieb mit knapp 1800 Mitgliedern geworden, der vor allem im Kinder- und Jugendbereich ganz andere Bedingungen und Erwartungen zu erfüllen hat, als dies bei der Vereinsgründung der Turner im Jahr 1908 der Fall war. Mit der Folge unter anderem, dass der VfL seit einigen Jahren nicht nur eine eigene Geschäftsstelle in den Vereinsräumen im Anbau an der Jahnhalle hat, sondern inzwischen auch eine fest angestellte Mitarbeiterin, Claudia Allmandinger, die den immer größeren Verwaltungsaufwand für einen ehrenamtlich organisierten Dienstleistungsbetrieb stemmt und den Abteilungen unter die Arme greift. Denn spätestens anfangs der 90er-Jahre wird klar, dass „für einen beruflich eingespannten Vereinsvorsitzenden bei 500 Vereinsarbeitsstunden im Jahr irgendwann die Grenzen erreicht sind“, erzählt Gerd Schwegler, aus eigener Erfahrung. Er hatte das Amt von 1991 bis 1999 inne.

„Der Hauptverein“, so umreißt Vorgänger Manfred Hoff beim Symposiums-Vorgespräch sein Ideal von moderner Vereinsarbeit -- „bietet den verwaltungstechnischen Rahmen für die eigenverantwortlichen Aktivitäten der Abteilungen, welche andererseits für die sportlichen Belange komplett eigenständig und dafür verantwortlich sind“. Im Übrigen hat sich der VfL Endersbach in der Frage des Leistungs- oder des Breitensports ganz klar für die sportliche Grundausbildung und Grundversorgung entschieden
 – bewusst plakativ gesagt, für die „maximale Breite des Sports“. Für intensive Jugendarbeit samt ständig verbesserter Qualifikation der Übungsleiter und ein möglichst großes Angebot an sportlichen Möglichkeiten für alle. Wohlwissend – auch aus eigenen Erfahrungen – dass Spitzenleistungen in einzelnen Disziplinen oder vor allem höherklassige Erfolge 
in Mannschaftssportarten ohne größeren finanziellen
 Einsatz Dritter und ohne eine professionell veränderte Ausrichtung der Vereinsstrukturen kaum machbar sind. „Zum Verein, der stark auf seine gewachsene ehrenamtliche Struktur baut, gehören im Kursangebot aber inzwischen auch professionelle Übungsleiter, die den Verein sehr engagiert nach außen vertreten“, sagt beim Gespräch über die jüngsten VfL-Vereinsjahre Ralph Pfeifer, seit 2004 erster Vorsitzender des VfL Endersbach.

Im Jubiläumsjahr hat der VfL Endersbach insgesamt fast 1800 Mitglieder. Die Turner sind vereinsintern mit mehr als 1100 Abteilungsmitgliedern nach wie vor absolut in der Mehrheit. Aber die Breite des Angebots in den acht Abteilungen ist nach 100 Jahren größer denn je. Der Endersbacher Verein sei im Jahr 2008 finanziell solide und „funktioniert in allen Bereichen“, sagt Ralph Pfeifer im Vorfeld des 100. VfL-Geburtstags: „Und was wirklich gut ist, das ist die kommunikative Seite des Vereins, da kommt immer Resonanz. Die Leute sind immer da, wenn’s wichtig ist.“

Fusionsgelüste und die schiere Größe als Maßstab für die Leistungsfähigkeit eines Vereins, das gehört perspektivisch dagegen längst wieder der Vergangenheit an. Der Verein pflegt Kooperationen dort, wo für die Sportler und für den Nachwuchs auf diese Weise Vorteile entstehen. In der Leichtathletik etwa, oder beim Handball. Aber die einst im kommunalen Sportforum angestrebte Fusion aller Weinstädter Vereine ist – trotz des damit winkenden reduzierten Bedarfs an ehrenamtlichen Amtsträgern – angesichts des Verlusts persönlicher Identifikation kein wirkliches Thema mehr.
„Die Vereine in Weinstadt wollen eigenständig bleiben, das 
ist ein Klärungsprozess der vergangenen Jahre“, sagt auch Roswitha Maier, die VfL-Vereinsvorsitzende der Jahre 2000 bis 2004. Vielversprechender sind gesamtkommunale Errungenschaften zwischen den Weinstädter Vereinen, wie der vereinsdurchlässige Familienbeitrag, der es Kindern ermöglicht, auch Angebote der anderen Vereine ohne zusätzliche Mitgliedsgebühr zu nutzen.
So hörte man noch vor 7 Jahren -- doch Ansichten können sich ändern.

2014  Gründung der Sportgemeinschaft Weinstadt e.V.    
Zunächst beschließen die Vereine TSV Großheppach, VfL Endersbach und SV Weinstadt (Beutelsbach) eine Zusammenarbeit diverser Sportabteilungen. Der TSV Schnait und der TSV Strümpfelbach verhalten sich noch abwartend.

2015   Im Laufe des Jahres 2015 wird dann nach Bestätigung des Verbandes im Zeichen der SGW von den bereits verbundene Abteilungen, Leichtathletik, Handball und Schwimmen Sport getrieben. Im Laufe der Zeit verbinden sich weiter Abteilungen und bilden einen schlagkräftigen Dachverband, der sicherlich kühne Visionen realisieren kann.